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Building Information Modeling (BIM) als prozessorientierter Lösungsansatz

Die Methode Building Information Modeling (BIM) beschreibt eine solche Rezeptur, die durch das Zusammenwirken ihrer Bestandteile eine gewaltige Kraft entfalten kann.

Reale Gebäude bestehen aus einer großen Vielzahl realer Produkte. Musste für deren stimmige Einplanung ins Gebäude früher der Planer die Fähigkeiten der Handwerker kennen, um deren Produkte exakt zeichnerisch gestalten zu können – zum Beispiel welche Formen und Radien ein Schmied erschaffen konnte, kamen mit zunehmender Industrialisierung Vorlagen und Zeichenschablonen z.B. für Sanitärobjekte, Möbel oder auch Fassadenformen zum Einsatz. Im Computerzeitalter folgten CAD-Bibliotheken der Produkthersteller, ergänzend zu Katalogen und Prospekten.

Mit der Methode BIM können die Planer nun für die Erstellung von Gebäudemodellen eine weitere Entwicklungsstufe der Planungsunterstützung nutzen: mit Informationen ausgestattete BIM-Objekte. Diese Informationen befähigen den Anwender, die anstehenden Planungsentscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen. Was ist wie baubar? Welche Komponenten sind erforderlich? Welches Gewicht hat das Bauteil? Welche technischen Spezifikationen bringt es mit? Die umfassenden und präzisen Antworten können nur die Produkthersteller geben.

Für die präzise Arbeit und den stimmigen Umgang mit den ganz verschiedenen Produkten und Gewerken im BIM-Modell muss der Planer – theoretisch – ein riesiges Fachwissen besitzen. Wie sieht es zum Beispiel mit der Verbindung zwischen Mauerwerk und Fenster aus, wie ist es hier um Wärmedämmdetails oder Dichtigkeit und Folien bestellt? Wie ist die Befestigung eines Sonnenschutzsystems an der Fassade vorzunehmen, damit auch Ansteuerungskabel unsichtbar verlegt werden können? Wie ist die Anordnung verschiedenster technischer Medien in Fußböden oder Decken zu planen? Die Planer holen sich hier Unterstützung durch die Fachberater der Industrieunternehmen, meistens in einem persönlichen Beratungsgespräch. Aus Zeitgründen können diese aber nicht für alle Gewerke und Details immer zeitnah und in der erforderlichen Detailtiefe vorgenommen werden. Zusätzliche Hürden wie seitens öffentlicher Hand geforderte Produktneutralität und damit Verbundener Nicht-Festlegung auf bestimmte technische Details bestehen immer noch.

Aber auch hier greifen neue Möglichkeiten der Digitalen Entwicklung. So bieten Produkthersteller über Plattformen Möglichkeiten zur direkten Kommunikation am Gebäudemodell an, in dem konkrete Lieferantenbeziehungen definiert werden können und die erforderlichen Services digital bereitgestellt werden. Der Produkthersteller wird Teil des Planungsteams. Das passende Maß für die Nutzung von Mensch-zu-Mensch-Beratung und digitalen Tools zu finden ist eine große Aufgabe für Planer und Hersteller. Ziel muss es sein, Zeit und Energie zu sparen, und trotzdem optimale Ergebnisse zu schaffen.

Ob BIM staatlich verordnet werden wird oder nicht – zukünftig werden sich die praxistauglichsten Möglichkeiten durchsetzen. Schneller, besser, kostengünstiger – nicht nur im baulichen Endprodukt sondern auch im Gebäudebetrieb. Dafür wird es ein höheres Maß an industrialisierten Prozessen und dafür geeigneten Produkten geben müssen. Entwicklungen neuer Bauprodukte müssen so aufs Gebäude abgestimmt werden, das sie sich sowohl planerisch (ins Modell) als auch baulich (ins Gebäude) schnell und einfach integrieren lassen.

Ein Beteiligter darf dabei nicht vergessen werden – der Handwerker. Trotz 3D-Druck, Modulbauweise und ganzen Fertighäusern werden die Gebäude vom Handwerk gebaut. Je nach Bauaufgabe sind industrialisierte Baumethoden mal stärker oder mal schwächer anwendbar. Mit der Digitalisierung der Industrie erhält der Handwerker aber von seinen Lieferanten mehr und mehr vollständig ausgereifte Systemartikel mit den zugehörigen Verarbeitungsprinzipien, die ihm das Arbeiten erleichtern. Auch der Einsatz von Maschinen und deren digitale Einbindung in den Bauablauf ist für das Handwerk ein sehr großer Nutzenfaktor, ebenso das rasche Wissen um Umsetzungsdetails und Zeitabfolgen für das bauliche Räderwerk. Das Handwerk ist für die bauliche Qualität und optimale Ausführung im Endergebnis verantwortlich. Allerdings muss es seine Position im BIM-Prozess neu bestimmen und mehr in die digitale BIM-Planungsmethode eingebunden werden. Nur so kann handwerkliche Erfahrung auch in die zukünftige Entwicklung der Arbeitswelt einfließen und hieraus auch ein hoher Nutzen für das gebaute Endergebnis geschaffen werden.

Der Nutzen-Aspekt allein gibt den Antrieb für die Durchsetzung aller mit BIM einhergehender Technologien. Bauherren, Planer, Hersteller, Handwerker, und Betreiber werden dabei die größte Macht in dem Evolutionsprozess der Digitalen Anwendungen und Prozesse entfalten. Hier gilt es für alle genauer hinzusehen, ob es sich zum Beispiel bei neuer Software nur um IT-Marketing handelt oder wahrer Nutzen damit einhergeht.