Wir verwenden auf diesen Seiten Cookies für bestmögliche Funktionalität. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der Verwendung einverstanden. Weitere Informationen

Drei Gewinnerprojekte im Studierenden-Wettbewerb

Drei Gewinnerprojekte im Studierenden-Wettbewerb Kindertagesstätte mit System + Grips

In Zusammenarbeit mit mehreren deutschen und österreichischen Hochschulen hat der Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme den Wettbewerb für eine Kindertagesstätte aus mobilen Raumsystemen ausgeschrieben. Anfang April wurden die Gewinner gekürt, feierliche Preisverleihung ist im September. Der nächste Wettbewerb ist für das Studienjahr 2020/2021 geplant.

Abwechslungsreiches Spiel mit Höfen und Reihungen

Die interdisziplinären Teams und Einzelteilnehmer stammten aus den Studiengängen Architektur, Bauingenieurwesen und Technische Gebäudeausrüstung. Der Entwurf wurde im Wintersemester 2018/19 bearbeitet und konnte auch im Rahmen einer Studien-, Bachelor-, Master- oder Diplomarbeit entstehen. Die entworfene Kita sollte aus kombinierten Containern oder Modulen bestehen, die sich ohne großen Aufwand von einem Grundstück zu einem anderen mit völlig anderem Zuschnitt würden versetzen lassen. Die bis zu zwei Geschosse hohen Ensembles sollten Platz für 60 Kinder in vier Gruppen und ihre Betreuer bieten, dazu Gemeinschafts-, Sanitär- und Küchenräume.

Das Gebäude war für eine Aufstellzeit von maximal 5 Jahren zu konzipieren. Die Gründung war für Bodenklasse 4 auszulegen. Die Außenfassade sollte zeit- und nutzungsgemäß, aber auch als „Hingucker“ gestaltet sein, der Innenausbau mit schadstofffreien Produkten aus­geführt werden. Flexible Medienanschlüsse für sich verändernde Anforderungen waren zu berücksichtigen, ebenso der Rück- und Umbau. Bewertet wurden darüber hinaus die gestal­terische und die konstruktive Qualität, Transport- und Montagekonzept, die städtebauliche Einbindung, das TGA-/Energiekonzept sowie Innovationsgrad, Nachhaltigkeit und integraler Ansatz.

Bei der Jurysitzung am 2. April 2019 in Koblenz wurden drei Gewinnerteams gekürt. 33 An­meldungen waren eingegangen, elf Teams reichten einen Entwurf samt Modell ein. In zum Teil bemerkenswerter Tiefe haben sich die Studentinnen und Studenten mit der Modulbau­weise auseinandergesetzt und schlüssige, moderne Lösungen gefunden. Sowohl die logis­tischen und konstruktiven Besonderheiten als auch das Potenzial der Module mit ihren rigiden Abmessungen wurden mit offensichtlicher Freude ausgelotet und mündeten zumeist in einem abwechslungsreichen Spiel mit Höfen und Reihungen.

1. Platz: Differenzierter Umgang mit Holz und Licht

                     
Illustration: Entwurfsverfasserinnen

Mit dem 1. Platz und einem Preisgeld von 3.000 Euro wurden die Architekturstudentinnen Josephine Pleuser und Pia von Henze von der RWTH Aachen ausgezeichnet. Sie schlugen eine Konfiguration von 34 Modulen in Holzbauweise vor, die vier oder fünf Gruppenräume zulässt und darüber hinaus einen Turnraum vorsieht. Auch im Innenraum setzten die Entwerferinnen auf Holz und entwickelten ein langes Regal als Rückgrat entlang des Flurs mit Lichthof. Perforierte Holzelemente filtern das Licht und dienen als Sichtschutz. Bewusst hat das Gebäude nur ein Geschoss: Es soll sich bescheiden in verschiedene Umgebungen einfügen können.

Die Jury zeichnete den Entwurf für sein komplett stimmiges Konzept aus und lobte die 3D-Darstellung innen und außen. Der Vorfertigungsgrad ist hoch, die Gründung sehr sauber ausgearbeitet. Die Entwerferinnen schlagen einen schönen Innenraum vor und bieten Lösungen für eine hinterlüftete Fassade an. Die Sanitärmodule sind pragmatisch gebündelt.


Illustration: Entwurfsverfasserinnen

2. Platz: Gelungene Modularität in aufgelöster Konfiguration


Illustrationen: Entwurfsverfasserinnen

Der 2. Platz ging an die Architekturstudentinnen Lea Yasemin Koch und Julia Maria Simon von der Bauhaus Universität Weimar und war mit einem Preisgeld von 2.000 Euro verbun­den. Ihr Kindergarten besteht aus elf Raummodulen plus einem Dachmodul, das sich unter­schiedlich drehen lässt. Hier besteht der 36,4 cm dicke Wandaufbau aus zwei massiven Holzscheiben mit Luftschicht dazwischen, was einerseits eine Wärmedämmung erübrigt und andererseits thermische Speichermasse bietet. Die Gruppenräume werden entlang eines Spielflurs organisiert. In Kombination mit vielen kleineren Räumen entsteht ein halboffenes Konzept, das den Austausch zwischen den einzelnen Gruppen fördert, aber auch die Betreuung in kleineren Einheiten ermöglicht.

Die Jury würdigte das vollständige Konzept und die sehr detaillierte 3D-Ausarbeitung der Module. Die kubische Grundform der Raumsysteme ist aufgelöst, dennoch ist eine modulare Aufstellung möglich. Dadurch überzeugen die Varianten auch städtebaulich und architekto­nisch. Die dargestellte Zweigeschossigkeit funktioniert. Der Vorschlag, Schraubfundamente
zu verwenden, erfüllt den Wunsch nach Ideen zu Rückbau, Wiederverwendbarkeit und einfacher Wiederherstellung der ursprünglichen Grundstückssituation.

 

3. Platz: das Lego-Dorf

 
Illustrationen: Entwurfsverfasser

Auf den 3. Platz, mit 1.000 Euro dotiert, wählte die Jury den Entwurf des Architekturstudenten Jan Philipp Wehner von der Hochschule Koblenz Sein Entwurf spielt mit der geforderten Zweigeschossig­keit und formuliert dies in Gruppenräumen aus, die nach außen als Legosteine in Erschei­nung treten. Vorgeschlagenes Material ist wie bei den beiden anderen Siegerprojekten Holz, diesmal als Rahmenkonstruktion mit Holzfaserdämmung. Die Fassade soll aus robuster Douglasie bestehen. Zum TGA- bzw. Energiekonzept gehören eine Luft-Wasser-Wärme­pumpe mit Pufferspeichern, eine Lüftungsanlage und eine Photovoltaikanlage.

Die Jury hebt besonders das schlüssige, differenzierte Konzept und die schönen Ansichten hervor. 

Hintergrund des Wettbewerbs

Der Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme möchte mit dem Wettbewerb einen Beitrag zur zeitgemäßen Ausstattung von Wohngebieten leisten, die zunehmend durch Flexibilisierung und Diversität von Lebenskonzepten geprägt sind. Zugleich stellen die Einwohner auch Anforderungen an den Schutz von Ressourcen. Mobile Raumsysteme erfüllen diese Wünsche, indem sie sich jeweils an den Ort transportieren lassen, wo sie gebraucht werden – heute in diesem Stadtteil, in ein paar Jahren vielleicht im nächsten.

Zur Jury gehörten:
Markus Windelberg, Technischer Leiter, Algeco GmbH (Jury-Vorsitz)
Bastian Dahms, Abteilung für Bauen und Wohnen im Finanzministerium RLP, Mainz
Dr. Bernhard Hauke, Verlag Ernst & Sohn, Berlin
Nina Bendler, Architektin Koschany+Zimmer Architekten KZA, Essen
Andreas Krawczyk, nkbak Architekten, Frankfurt am Main
Jens Vetter, Geschäftsführer ProContain GmbH
Ralf Droste, Architekt, Algeco GmbH
Wiebke Becker, Key Account Manager, Albrecht Jung GmbH & Co. KG
Jens Kmezik, Zeppelin Rental GmbH & Co. KG
Raphael Bruns, Geschäftsführer Bolle System und Modulbau

Die Jury-Sitzung wurde von Günter Jösch moderiert. Er bedankte sich bei den Teilnehmern für ihre Auseinandersetzung mit einer Bauweise, die bereits jetzt und noch wesentlich mehr in der Zukunft das Bauen prägen wird. Nach seiner Einschätzung haben alle eingereichten Entwürfe das Potenzial zur Realisierung. Eine Win-Win-Situation für die Teilnehmer und die Branche, die mit großem Interesse den Wettbewerb beobachtet. Günter Jösch gratulierte den Preisträgerinnen und Preisträgern und bedankte sich bei der Jury, die sich im Vorfeld der Sitzung intensiv mit den Wettbewerbsbeiträgen beschäftigt hatte.

Die Qualität der Beiträge wird in einer Broschüre dokumentiert. Deren Präsentation erfolgt im Rahmen der feierlichen Preisverleihung im September, anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bundesverbands Bausysteme e.V.

 
Die Jury bei der Präsentation des „Lego-Dorfs“; Fotos: Günter Jösch

Über den Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme:

Der Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme ist Teil des Bundesverbandes Bausysteme e.V. Der Fachverband vertritt als Branchenverband nachhaltig die Interessen der Hersteller und Anbieter modularer, vorgefertigter Raumsysteme. Seine Hauptaufgabe besteht darin, technische und qualitative Standards für den Markt voranzutreiben und so Bauherren, Investoren, Planern und Nutzern Orientierung und Lösungshilfen anzubieten. Durch Kontakte zu Politik, Wirtschaft, Forschung und Lehre leistet der Fachverband einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Wahrnehmung von Modulbausystemen und deren vielfältigen Einsatz­möglichkeiten. Er erstellt herstellerunabhängige Fachinformationen und entwickelt neue Ideen und Zukunftsvisionen im systematischen Bauen.