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Kindergarten in Modulbauweise: Das Gebäude ist nicht dauerhaft zweckgebunden und kann mit wenig Aufwand zu Wohnraum umgestaltet werden

Baukastensystem bietet die Lösung

Zu den drängendsten Aufgaben der Städte und Gemeinden zählt derzeit, flexiblen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das Baukastenprinzip des Modulbaus ermöglicht schnelle und individuelle Lösungen für Sozialwohnungen wie auch für Schulen, Kindergärten oder Seniorenheime.

Trotz ihres hohen Standardisierungs­ und Vorfertigungsgrades sind modulare Baulösungen  keine Stangenware. Sie werden individuell nach den Wünschen und Anforderungen des Bauherrn geplant und innen wie außen maßgeschneidert und objektbezogen gestaltet. Zu differenzieren sind Containerlösungen und Modulgebäude. Beide Bauweisen zeichnen sich durch ihren modularen Charakter und ihre Flexibilität aus, unterscheiden sich jedoch in Standardisierungsgrad, Planung, Ausführung und Kosten.

Containerlösungen finden je nach Nutzungsdauer als temporäre Mietsysteme oder bei einer längerfristigen Nutzung von vielen Jahren als Kauflösung Verwendung. Modulgebäude hingegen sind auf eine dauerhafte Nutzung ausgelegt. Modulare und konventionelle Bauteile werden in der Praxis häufig auch kombiniert. So werden beispielsweise Kellergeschoss, Treppenhäuser oder Aufzugsanlagen konventionell hergestellt und in das Modulgebäude integriert. Ebenso eignet sich die Modulbauweise für die Erweiterung oder Aufstockung von massiv errichteten Bestandsgebäuden.

Die wichtigsten Merkmale des Modulbaus werden im folgenden Überblick aufgezeigt:

FLEXIBILITÄT

Modulare Gebäudelösungen bieten einen hohen architektonischen Gestaltungsraum und machen keine Abstriche an baukulturellen Qualitäten. Auch wenn der Grundriss auf einem  Raster basiert, können die einzelnen Container oder großvolumigen Module vielfältig in jedem Geschoss angeordnet werden. So lassen sich Raumzonen zum Beispiel für spielende Kinder oder separate Einheiten schaffen. Die Innenräume können ebenso wie das gesamte Gebäude flexibel auf neue Anforderungen angepasst werden. Auch die Umnutzung des Gebäudes oder ein Standortwechsel sind möglich.

BAUZEIT

Als wesentlicher Vorteil des modularen Bauens gilt die im Vergleich zu konventionellen Bauten um bis zu 70 Prozent reduzierte Bauzeit. Diese resultiert unter anderem aus dem hohen Standardisierungs- und Vorfertigungsgrad der Bauelemente sowie den parallelen Abläufen im Werk und auf der Baustelle. Erdarbeiten, Gründung und Hausanschlüsse erfolgen zeitgleich mit der Fertigung der Module. Sind die Vorbereitungen auf der Baustelle abgeschlossen, werden die Module just in time geliefert, montiert und endausgebaut. Durch eine präzise Transport- und Montageplanung werden die funktionalen Abläufe im Bestand  nur minimal beeinträchtigt. Im Gegensatz zu Massivbauten entfallen Verzögerungen durch witterungsbedingte Einflüsse, Baufeuchte oder Trocknungsphasen.

EINSPARP0TENZIALE

Durch die kürzere Bauzeit, den geringeren Personaleinsatz des Investors (bzw. Bau­ herren), die kürzeren Zeiträume der Vorfinanzierung sowie die verringerten Unterhaltungs-aufwendungen des Investors durch die hohen Qualitäten in der Vorfertigung ergeben sich deutliche Einsparpotentiale. Der verkürzte Vorfinanzierungszeitraum und schnellere Kapitalrückfluss durch eine frühere Nutzbarkeit der Immobilie führen zudem zu einer deutlichen finanziellen Entlastung des Bauherren.

BAULICHE QUALITÄT

Modulare Gebäude überzeugen durch eine gesichert hohe Qualität der Bauteile, die in kontrollierter industrieller Fertigung entstehen, sowie eine hohe Ausführungsqualität. Sie stehen den bauphysikalischen Merkmalen von Massivgebäuden in nichts nach. So können beispielsweise Brandschutzklassen zwischen F30 und F90 erreicht werden. Auch regenerative Energien wie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder Solarthermie können gekoppelt werden.

GESTALTUNG

Innen- und Außengestaltung können individuell nach Anforderungen und Wünschen des   Bauherrn realisiert werden. Durch großflächige Verglasungen, farbig gestaltete Putzflächen auf Wärmedämmverbundsystem oder vorgehängte, hinterlüftete Fassadenelemente in Holz, Metall oder Glas lassen sich die modularen Gebäudelösungen gestalterisch in das jeweilige Ortsbild integrieren.

NACHHALTIGKEIT

Durch die rationale industrielle Fertigung wird der Verschnitt von Baustoffen minimiert, anfallende Abfälle werden sortenrein getrennt und recycelt. Eine Bündelung der Arbeitsvorgänge an einem Ort und eine effiziente Planung reduzieren Materialtransporte und schonen Infrastruktur sowie Umwelt.

So werden beispielsweise die für den Endausbau oder Fassadenanschlussarbeiten benötigten Materialien in den Modulen mittransportiert. Die Montage der Elemente vor Ort erfolgt mit einer deutlich minimierten Belastung der Bauzone und der Bestandsstruktur durch Bauemissionen wie Lärm, Staub, Abgase und Vibrationen. Gerade bei Erweiterungen im Gesundheitsbereich wie Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist dies ein ganz entscheidender Faktor.

Am Ende seiner Nutzungszeit kann das Gebäude leicht demontiert oder umgesetzt werden. Sämtliche rückgebauten Bauteile können sortenrein getrennt werden. Besonders nachhaltig sind in diesem Zusammenhang Container, speziell im Mietbereich, die aufbereitet und für weitere temporäre Einsätze wiederverwendet werden.

Günter Jösch

Der Fachverband Vorgefertigte Raumsysteme im Bundesverband Bausysteme treibt technische und qualitative Standards voran und entwickelt Ideen im modularen Bauen. Neben Gremien-, Richtlinien- und Hochschularbeit sind für 2017/2018 unter anderem ein Positionspapier zu europaweiten Ausschreibungen und ein Merkblatt zum Transport von Raumsystemen geplant. Außerdem will der Verband Veranstaltungen zu Leuchtturmprojekten organisieren, zu Building Information Modeling (BIM), als auch Seminare zum Bauen mit vorgefertigten Raumsystemen. www.fv-raumsysteme.de

DER AUTOR

Günter Jösch ist Geschäftsführer des Bundesverbands Bausysteme mit Sitz in Koblenz und Leiter des Fachverbandes Vorgefertigte Raumsysteme im Bundesverband Bausysteme

(guenter.joesch@bv-bausysteme.de)